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Wasser

Es war reiner Zufall, dass ich ihn traf. Wir hatten uns lange nicht mehr gesehen. Ich schätzte ihn als sehr bodenständigen Menschen. Wir setzten uns in ein Café und es gab viel zu bereden. Mich überraschte, dass er sein Haus verkaufen wollte. Ich fragte, was er gerade mache und was er für Zukunftspläne habe. Seine eher abwehrende Reaktion erstaunte mich.

Weißt du, sagte er, Pläne machen, in die Zukunft sehen – war das nicht eine meiner Lieblingsbeschäftigungen früher? Sich die Welt ausmalen, wie sie sein könnte, was man alles tun und unternehmen könnte. Welche Möglichkeiten es gibt. Da liegt so viel in dem Wort Zukunft und es lässt einen träumen. Wenn man noch Träume hat. Aber eine dunkle Wolke am Himmel reicht und deine Träume zerreißen wie ein Blatt Papier und du weißt, Zukunft ist anders. Du tust dich schwer mit diesem Begriff.

Sie sich vorstellen und dann darüber reden – etwas, was ich nicht will, nicht mehr will, weil ich mir die Zukunft nicht vorstellen will. Weil sie sich schon jetzt als schrecklich ankündigt. Wenn man schon einmal einen Blick in die Zukunft werfen durfte, will man das kein zweites Mal. Ein Beispiel: Ich sitze am Fenster und sehe draußen über den Dächern die dunklen Wolken.

Dunkle Wolken, sagst du, klar, es wird ein Regen kommen.

Aber du weißt nicht, was ich weiß. Mir machen dunkle Wolken Angst, eine riesengroße Angst. Wenn sie platzen und alles Wasser aus ihnen herausfällt, vor deinen Augen und zwar so dicht, dass du das Haus gegenüber nicht mehr sehen kannst und es rauscht und platscht und du gar nicht begreifen kannst, wo all das Wasser herkommt.

Ich sehe, wie du lächelst und mir nicht glauben willst. Du hast es nicht erlebt. Und ich wünsche es dir nicht, aber jede dunkle Wolke beherbergt diese Möglichkeit und du kannst ihr nicht entfliehen. Du schüttelst den Kopf. 

Ich soll mich beruhigen sagst du. Ich kann mich nicht beruhigen. Jede dunkle Wolke macht mir Angst und wenn es zu blitzen beginnt, zähle ich automatisch die Sekunden bis zum Donner. Ist der Donner erst einmal drei Sekunden entfernt, weiß ich, was kommt. Da ist zuerst diese große Stille. Fast als würde die Zeit stillstehen. Es gibt keinen Wind, es gibt kein Geräusch, es gibt keine Bewegung. In dem Gebüsch vor dem Haus, in dem normalerweise Vögel wippen und lärmen, ist alles tot, keine Regung, kein Geräusch. Es ist, als würde die Natur den Atem anhalten und wenn dann der Donner kommt zusammen mit dem Blitz, dann geht es los. Ein Wind schüttelt die Baumkronen, als wollte er sie abreißen und mitnehmen. Äste krachen, Blätter wirbeln durch die Luft. Der Wind heult und pfeift auf den Dachpfannen, bis sie ihren Widerstand aufgeben und mit ihm fliegen. Aber ihnen fehlt die Leichtigkeit und sie plumpsen ungeschickt und zersplittern auf der Straße, während Laub und Plastiktüten durch die Gasse getrieben werden. Man hört Klappern, Scheppern von Fensterläden. Immer wieder knallt es. Irgendwo ein helles Scheppern – eine Mülltonne, die umgefallen ist. Der Wind heult, die Äste schlagen an die Dachrinne als wollten sie sich festhalten. Dann klatschen die ersten Regentropfen auf die Blätter, auf die Straße, heftig und mehr, immer mehr, immer lauter, sie prasseln, bis sie sich selber ertränken in dem entstehenden See, der Zentimeter um Zentimeter die Straße frisst, unruhig gepeitscht von den nachdrängenden Fluten.

Und du meinst, das sei normal. Das ginge vorbei, Starkregen, ein Wolkenbruch. Das käme schon mal vor. Völlig harmlos. Ich weiß, dass es nicht so ist. Es wird nicht aufhören zu regnen. Stundenlang wird es schütten. Mit einer Gewalt, dass du meinst, die Dachziegel würden tanzen unter dem Gedresche der Regenfluten. Wasserfälle fallen vor deinen Augen. Auf den Kopf gedrehte Meere. Unbegreifliche Massen. Du kannst alles beobachten, weil du nichts tun kannst. Du kannst dem Wasser nicht befehlen weg zu gehen, oder dem Regen aufzuhören. Du kannst dich nicht dagegenstemmen mit deinem Körper. Du kannst es nicht beschwören, nicht besingen, nicht verfluchen. Du kannst nur stehen und zusehen. Du kannst nicht einmal aus dem Haus rennen, fliehen. Wohin denn? Da ist überall Wasser. Und wenn du glaubst, du könntest es ausschließen, einfach die Tür zuschließen, wie man es macht, um zu verhindern, dass Fremde eindringen… es gibt nichts Lächerlicheres als das.

Du hast keine Chance. Noch bevor du entscheiden kannst, ob du draußen noch etwas retten kannst, ist es da. Wenn das Wasser zu dir herein will, schafft es das. Unter dem Türblatt drückt es sich durch, gurgelnd und weil es von draußen gegen die Tür drückt, gibt die Tür nach und lässt das Wasser herein, ein aufquellender monströser Gast, der sich die Treppe hinauf gurgelt und sogar zwischen den Stufen sich durchdrückt als gäbe es keine Wände. Klatschend die nächste Stufe erreicht und wenn du nicht schnell genug nach oben steigst, deine Füße umschmeichelt, sie leckt. Es schmiegt sich in jede Ecke und gluckert dabei.

Im Keller spielt es mit den Flaschen, die es klirrend aneinanderschlagen lässt, klatscht gegen die Wand und vereinigt sich mit der Schwesterbrühe, die jetzt durch das Kellerfenster eindringt, wo es einfach die Scheibe eindrückt. Es fragt nicht nach Gastgebern und Höflichkeit und negiert alle Schranken, die du ungebetenen Gästen gesetzt hast.

Es hat kein Gesicht, aber die braune Brühe spricht mit dir. Sie braucht nicht die menschliche Sprache, sie hat eine gewaltige andere Sprache. Sie hat Bilder, die in deinem Kopf explodieren. Die sich dort festkrallen, die dir deine Machtlosigkeit zeigen. Weil du nichts verstehst von dem, was um dich herum vorgeht. Du weißt nicht, woher das ganze Wasser kommt. Du weißt nicht, wieviel Wasser noch kommt. Du weißt nicht, wo du hinsollst, wenn das Wasser kommt. Du weißt nicht, was das Wasser mit dir macht. Du rennst, fliehst irgendwo hin, in die Höhe. Um hinunter zu sehen, was das Wasser anrichtet. Es spielt mit deinem Auto und lässt es schaukeln und – als hätte es sein Interesse schließlich daran verloren- einfach versinken. Es schickt Balken und Mülltonnen durch die Gasse, die keine mehr ist, sondern ein reißender Strom. Noch leuchten Straßenlaternen die Szene gespenstisch aus, Lichter tanzen auf den Wellen, bis es mit einem Schlag stockdunkel ist. Jedes Haus ein Schatten und eine dunkle heimtückische Schlange dazwischen, deren Bewegungen unberechenbar sind.

Die Häuser haben sich verändert, sie haben nur noch Fenster. Es gibt keine Eingangstüren mehr. Das Wasser hat sie verschluckt. In den Kellern rüttelt das Wasser an den Tanks und parfümiert sich mit dem auslaufenden Öl.

Du kannst nicht atmen. Der Gestank drückt dir die Kehle zu. Es rauscht und poltert, wenn große Balken gegen Häuserwände stoßen. Dosen und Schachteln tanzen auf den braunen Fluten, werden mitgerissen. Die Büsche sehen aus, als wollten sie mitschwimmen. Ihre Äste dehnen sich in die davonstürzende Brühe.

Nur noch die Blitze erhellen jetzt die Welt, die sich verwandelt. Die Nachbarn schreien sich zu und fragen, ob alles in Ordnung ist. Was ist Ordnung? Das Wasser im Haus? Will er herüberschwimmen? Glaubt er etwas tun zu können? Die nächste Welle schießt durch die Häuserschlucht, tosend, Autos und tonnenschwere Blumenkübel mit sich reißend. Jeder hockt jetzt in seinem Haus wie Robinson Crusoe auf seiner Insel.

Was macht dein Kopf? Er kann das alles nicht begreifen. Du siehst Bilder, die du nicht verstehst. Du kramst in deinem Hirn und dir fallen Dinge ein wie die abschmelzenden Polkappen. Jede Logik ist dir abhanden gekommen, obwohl du weißt, dass der Nordpol weit weit weg ist und der Südpol noch weiter weg ist. Aber du kannst dir das alles nicht erklären. Selbst der kleine Bach, der nur 100 Meter von dir entfernt sein tiefes Bett hast, selbst diesem traust du diese Wassermengen nicht zu.

Etwas Unerklärliches ist geschehen. Damals war das für mich so. Heute würde ich wissen, wie das kommt. Es passiert häufig und es wird immer häufiger passieren. Es wäre deshalb nicht weniger schrecklich. Dein Ausgeliefertsein bleibt aber immer das gleiche. Du kannst nichts tun, weil du dich dem Wasser nicht entgegen stellen kannst. Du kannst nicht davonlaufen, weil das Wasser dich einholen würde.

Du stehst da dem Wasser gegenüber und weißt: das ist der Meister – das Wasser.

Und du glaubst, am nächsten Tag ist alles wieder vorbei. Das Wasser wird abfließen. Ja, das wird es. Aber es ist ja kein Wasser, wie du es kennst: das nette Wasser, das sauber aus dem Wasserhahn kommt. Wasser, das man trinken kann. Wasser, das auch wieder trocknet. Nein, dieses Wasser kommt von draußen, hat sich Wege gebannt durch Wälder und Wiesen und du wirst Tannennadeln in deinem Haus finden, die es dir mitgebracht hat. Vielleicht weil du vergessen hast, dass da draußen außer Häusern auch noch Bäume und Wiesen und Äcker sind. Das Wasser wird sich von dir wieder losmachen und seine Ausscheidungen zurücklassen: einen stinkenden Schlamm, der sich überall in jede Ecke einnistet und dem du noch Jahre später in verborgenen Spalten auf die Spur kommen wirst. Der sich an alles haftet, was er gefunden hat in deiner Garage, in deinem Keller, in deiner Wohnung. Er wird Motoren verstopfen, Geräte beschädigen, Wände verschmieren, Werkzeuge begraben, Fahrräderrohre füllen. Sich über Gärten legen, Pflanzen erdrücken, Parklandschaften zu Wüsten machen. Sich vor deine Tür legen und dich festhalten, wenn du das Haus verlassen willst. Anders als das Wasser, das dich umschmeichelt hat, wird er sich an dich kleben, deine Füße in sich verankern als wolle er dich hineinziehen.

Aber bis es soweit ist, muss die Nacht herumgehen. Sie ist lang und schlaflos. Du wirst am Fenster stehen und in die Flut schauen, nichts begreifen. Du willst dir vorstellen, dass alles nur ein Alptraum ist und du nur einfach aufwachen musst. Aber du wachst nicht auf. Dein Hirn quält dich mit Fragen an das Morgen. Wie lange das so weiter geht. Wann der Regen aufhört? Noch kannst du gar nicht begreifen, dass es keinen Strom mehr gibt. Du wirst dein Haus nicht verlassen können und nur das zur Verfügung haben, was sich im oberen Teil des Hauses befindet. Du weißt nicht einmal, ob es Wasser zum Trinken geben wird. Oder etwas zum Essen. Du hast keinen Kontakt zu niemandem. Das Telefon ist tot. Im Fernsehen hat man bei Überflutungen schon gesehen, dass dann Rettungsboote unterwegs sind. Hier nicht. Hier rauscht das Wasser durch die Straße. Da ist kein Durchkommen. Hier ist keiner darauf gefasst, dass es so etwas gibt. Das Soetwas hat nicht einmal einen Namen, so unfassbar ist es. Überschwemmung klingt harmlos. Es ist mehr als das. Es ist eine Verletzung. Das Wasser zeigt dir seine Gewalt. Du bist geschlagen, völlig hilflos. Du hast selbst deine Katze vergessen, die erst drei Tage später vom Nachbarn gebracht wird, der sie auf seinem Küchenfensterbrett gefunden hat: völlig verstört, mit einem komplett zerzausten Fell und gehetztem Blick, das Fressen verweigernd.

Erst viel später wirst du erfahren, dass ein Mensch in den Fluten ums Leben gekommen ist. Weil ihn das Wasser im Keller eingeschlossen hat, er die Tür nicht mehr öffnen konnte gegen den Widerstand des Wassers. Du wirst erfahren von den Menschen, die ihr Hab und Gut verloren haben. Von Menschen, deren Existenz vernichtet wurde. Du wirst eine Landschaft erleben, die im Schockzustand nichts begreift und dennoch mit dem Aufräumen beginnt, so als gäbe es ein Morgen, eine neue Sonne, einen blauen Himmel, schönes Wetter und eine Zukunft.

Und du begreifst, dass es Hilfe gibt, Gemeinschaft und selbst im größten Dreck jeder erkennt, dass es darum geht einander zu helfen. Alle packen mit an, auch wenn es Wochen dauert, bis alle Spuren beseitigt sind. Berge von Unrat werden zusammengekarrt. Die von Öl und Benzin vergifteten Gartenböden werden abgetragen. Möbel und Einrichtungsgegenstände gesäubert, repariert, was zu reparieren geht. Trauer über Zerstörtes. Verluste. Schaufeln, Spritzen, Fegen, Waschen… Alles wird wieder gut. Fast alles. Von außen betrachtet zumindest.

Das Städtchen hat sich verändert, nur ein wenig. An einzelnen Stellen bleiben Striche an den Mauern, manche auf einer Höhe von 2.30 m. Das Leben geht weiter – auch so ein Spruch, der nicht stimmt. Es geht anders weiter. Denn irgendwo ganz tief drin in mir steckt ein Zipfel Angst. Bei jeder dunklen Wolke regt er sich. Mein Herz beginnt zu klopfen und wenn die dicken Regentropfen fallen und schneller, dichter fallen, trommelt mein Herzschlag im gleichen Rhythmus. Aber nicht aus Sympathie.

Es steckt in dir drin. Niemals wirst du es wieder loswerden. Jede dunkle Wolke wird dich erinnern an diese Nacht und die Tage danach.

Und du willst, dass ich mir Gedanken über die Zukunft mache? Ich kann das nicht, ich kann sie nicht denken, weil alles so zerbrechlich ist. Ein kleiner Wind kann kommen und zerstört dein Haus. Ein kleines Wasser kann kommen und reißt deine Heimat mit. Ein kleiner Blitz kann in deinen Baum einschlagen. Da ist so viel Natur, die sich an dir rächen kann. Und du kannst ihr nicht entkommen. Sie ist überall, wo du auch bist. Deshalb: es gibt keine Zukunft, es gibt nur Natur.

Ich saß noch lange im Café. Er war längst gegangen. Ich sah nach draußen, eine dunkle Wolke hatte sich vor die Sonne geschoben.

 

 

Wie die Frühlinge sterben

 

Ein Schmetterling streut seine Farben hinaus

in die erlöschende Landschaft

wo round and round wie ein Kinderlied

für grünen Regen sorgt 

 

und das Blau frisst und das Rot frisst

und das Gelbe gefressen hat

Ein Nimmersatt der Hunger sät

Die Vögel schreien nach ihrer Brut

die keine Schmetterlinge kennt

 

 

 

Fließen

 

Die Menschen verlaufen

wie schmelzendes Eis

lebenslang zum Horizont

wo das Unendliche wohnt

und die Zeit immer im Kreis geht

der hinausführt zu grauen Haaren

die Wellen werfen im Wind.

 

 

 

 

 

E Lonze fer d’Mundart - Wonn erschtemol de Londtag Ostalte mecht  

 

Im Londtag gibt’s seit Munat schun

Debatte um die Mundart rum.

Do merkt ma glei wie richtig schlecht

des dere Mundart wirklich geht.

Bevor sie im Museum sitzt,  

muss ma ebs due, was ihr nitzt,

muss ebs bassiere, dass sie net

de Löffl abgibt un verreckt.

Bloß wer isch schuld, dass alli glaawe,

wer Mundart babbelt, hot en Schade?

„Mundart schwätze bloß de Bleede,

wonn sie Hochdeitsch glernt bloß hätte!“

So Klischees senn gar net cool,

die kennt ma alli vun de Schul.

 

Heit isch die Hochsprach uns egal

mit Dialekt bisch bilingual.

Solle d Leit doch mol so schwätze

gonz wie sie‘s dehom aa schätze,

nord muss koner froge heit,

was des un sell uf deitsch bedeit.

Schwätzsch mol helfe wär fer all

en erster Schritt uf jeden Fall.

Viele Werter gehn verlore

kumme nimmi zu de Ohre.

Ob de Wersching oder Deetz

e haufe Ferz oder bloß Feez…

Wer konn babble,

wer kennt rapple?

Wo gibts Bebbelin zum esse,

Bibbeleskees net zu vergesse.

De Kerscheblotzer isch ebbs Guts,

ebs gonz onneres die Gruz.

Hosch en Schiewer in deim Schrenkl

oder hogsch gern uffm Bänkl,

gesch d’Schdaffl nuff un hocksch dich no,

vielleicht fongsch do zum Schwätze o.

Scho vum Horche lernt ma Sache

donn trau dich halt - ma muss bloß mache.

 

 

Fantasie und Fakt

 

Die Schreiberin saß stirnerunzelnd

am Schreibtisch richtig geisterfunzelnd.

Sie suchte Reime, Metrik, Formen

und deren Bau in rechten Normen.

Allein der Geist war willig schwach.

Sie seufzte hin und seufzte ach.

Und wie sie grad so richtig eben

am Hochverzweifeln war im Leben,

hüpft‘ ihr ein Schelm schnell auf den Schoß

und legte mit dem Dichten los.

Er reimte, dass es grad so schmerzte,

irrlichterte, lebkuchenherzte.

Kuchenblechern tönten Sätzchen

blubberbläschend mitsamt Lätzchen

hupfdollsägten durch die Lüfte,

fabrizierten Lachgasdüfte.

Ach, es war die reine Freude

und es hörten andre Leute,

riefen schnell die Polizei

wegen Spinneritisreimerei.

Weshalb die Schreiberin bald blass

tunkt‘ ihren Stift ins Tintenfass

verfasst ohne Fantasiepartikel

den ach so faden Zeitungsartikel. (Januar 2020)

 

 

 

Mensch

Von drauß, von den Straßen komm ich her,

Ich muss euch sagen, nichts weihnachtet mehr.

Allüberall auf den Bergeshöhn

Konnt ich kein Fitzelchen Schnee mehr seh’n.

Ich seh es tropfen und Wasser spritzen:

Allüberall nur Regenpfützen.

Und droben aus dem Wolkenmeer

Kommt nur weiter Nasses her.

Und wie ich so wate durch Pfützen und Schlamm

Rief mich ein leises Stimmchen an:

„Menschenkind“, rief es, „handle jetzt schnell.

Nutze dein Köpfchen und rette dein Fell.

Die Pole fangen zu schmelzen an,

Der Klimawandel ist aufgetan.

Alte und Junge sollen nun

Etwas für die Erde tun,

Um Katastrophen abzuwenden

Und die Welt zu treuen Händen

Für den Nachwuchs zu erhalten

Und sie sorgsam zu verwalten.“

Ich sprach: „Liebes kleines Weltgewissen,

Die Menschen sind ja sehr gerissen.

Weder kümmert sie der Eisbär

Noch beeinflusst sie das Eismeer

Fliegen munter durch die Welt,

Jeder wie es ihm gefällt.“

„Hat er denn nicht genug Verstand?“

„O nein, der Wahn nimmt überhand.

Zwar gibt es Umweltkonferenzen,

Allein die schlimmen Konsequenzen

Muss die Menschheit selbst erleben

ein rasches Handeln will‘s nicht geben.“

„Was sag ich nur, wie ich‘s hier find?

Reiß dich zusammen, Menschenkind!

Sieh endlich zu, dass diese Erde

Zu deinem Wohl gerettet werde.“